Gregor Staub

Lernphilosoph aus der Schweiz: Gregor Staub – © GS | privat

Gregor Staub

Lernphilosoph aus der Schweiz: Gregor Staub – © GS | privat

Der Brückenbauer effizienten Lernens

Er ist Pädagoge und Entertainer. Ein Zauberer, der seine Tricks offenlegt und das Publikum erkennen lässt, dass es gar keine sind. Er ist Pädagoge, Entertainer, Lernphilosoph. Der Schweizer Gedächtnistrainer Gregor Staub reist von Schule zu Schule und von Unternehmen zu Unternehmen, um Menschen in ihrer Gedächtnisleistung fit(ter) zu machen. KOPFSACHE brachte er zuweilen zum Staunen.

Wilhelm Maurer war ein Schweizer Ingenieur, der Anfang der 1980er Jahre in Brasilien lebte und ein High End Glacegerät erfand; hauptsächlich ging es ihm um die Herstellung von Speiseeis. 1988 verkaufte er das Patent und 1992 wurde der „Pacojet“ lanciert, eine Erfindung, die von internationalen Spitzenköchen bewundert wird. Seither ist ein Koch bei Saucen, Mousses und Sorbets kreativ sehr limitiert, wenn er nicht „pacossieren“ kann. Wir erlauben uns eine Vermutung: Von allen Michelin-Sterneköchen verzichtet nur ein vernachlässigbarer Prozentsatz (weltweit) auf diese Wunderwaffe der Kulinarik, die in einer Stunde 15 Liter Speiseeis oder 15 Kilogramm Mousse oder 150 Suppenportionen herstellen kann. Als eine der wichtigsten Erfindungen der letzten 15 Jahre bezeichnete Shea Gallante, ein Spitzenkoch in New York, das Gerät; es wurde 2010 von „Forbes“ hochgelobt und 2011 im „Modernist Cuisine“ in den Top Ten der Küchengeräte als ein Must-Have-Tool beschrieben. Auch im Restaurant in Perg in Oberösterreich, wo  Gregor Staub Anfang Oktober zu einem seiner Vorträge zu Gast war, befindet sich ein Pacojet in der Küche. Aufgeregt wie ein kleines Kind, das über sein neues Spielzeug erzählt, referiert der Chefkoch über all das, was diese Maschine kann, in- und auswendig. Er ist begeistert, gebraucht es täglich, muss nicht nachdenken, welche Knöpfe zu drücken sind.

„Wir merken uns ohnehin nicht alles“, sagt Gregor Staub, „müssen wir auch gar nicht.

Wir gehen ja nicht über einen Parkplatz und notieren in unseren Gedanken Kennzeichen von Autos, die uns nichts angehen.“ Wäre vielleicht gut, die eigene KFZ-Nummer zu kennen und noch besser, zu wissen, wo der fahrbare Untersatz steht. Der Schweizer Staub, Jahrgang 1954, macht seine Karriere als Gedächtnistrainer an einer Anekdote fest, die eher im Anschluss an eine durchzechte Nacht denn an eine Geschäftsreise nach Woodstock bei Boston entstanden sein könnte. „Zu jener Zeit war ich Verkaufsleiter bei diversen Unternehmen, landete von den USA kommend auf dem Flughafen Zürich/Kloten und suchte in der Tiefgarage nach meinem Wagen, eineinhalb Stunden lang. Bis ich mich daran erinnerte, mit dem Zug angereist zu sein!“
Heute sagt Staub: „Ein guter Gedächtnistrainer hat in der Regel ein schlechtes Gedächtnis – sonst müsste er ja keine Technik benutzen, um dieses Manko zu beheben!“ Damals schwor er sich, einen Ausweg aus diesem Defizit zu finden, aber es sollte noch weitere dreieinhalb Jahre dauern, bis er im US-amerikanischen Fernsehen auf eine Sendung stieß, die bessere Gedächtnisleistungen zum Thema hatte. „Ich besorgte mir das Material des Referenten. Das meiste war, verzeihen Sie den Ausdruck, Bullshit. Aber einer der Lösungsansätze faszinierte mich, und diesem ging ich nach.“

Staub ist nicht nur Gedächtnistrainer, er ist auch ein Verkaufs- und Vertriebsgenie. Seine Methode testete er (und testet sie immer noch) an Schülern und Studenten und erkannte den Markt. „Anfang der 1990er Jahre hatte ich einen Umsatz von 120.000 Euro gemacht, noch ehe die ersten Lehrmaterialien hergestellt waren“, sagt er
Immer dann, wenn neue Erfindungen und Produkte angeboten werden, ist Skepsis angebracht. Ist der Pacojet wirklich notwendig? (Ja, ist er.) Ist die Methode von Gregor Staub wirklich nachhaltig? Ja, Staubs Methode ist nachhaltig. Sie bewährt sich seit über 25 Jahren. In diesem Zeitraum hat Staub rund 4.000 Vorträge und Seminare gehalten, die von über 1,5 Millionen Schülern, Studenten, Lehrern, Eltern, Angestellten, Wirtschaftstreibenden, Geschäftsführern und so weiter verfolgt wurden. Aktuell referiert der Schweizer rund 50 Mal im Monat im deutschsprachigen Raum – sein Terminkalender ist einsehbar auf www.gregorstaub.com. „Jene Schulen, an denen Gregor Staub oder seine Co-Trainerin Helena Schwaab auftreten, buchen fast alle sofort Wiederholungs-Veranstaltungen“, erklärt Staubs Managerin Karin Burger, „sie wollen sicherstellen, dass sie wieder einen Termin bekommen. Eine Schule in Matrei hat sich einen in acht Jahren ausgesucht. Das wird natürlich dann noch mal bestätigt, ein Jahr vorher.“ Man kann sich ja nicht alles merken.

Gregor Staub
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Dennoch: Ist mega memory® – so heißt die Lern-Linie des Schweizers – nicht wieder so ein neues Zeug, dem Zeitgeist entspringend, das von anderen Angeboten abgelöst werden wird? Mitnichten. Basis der Überlegungen von Gregor Staub ist die Mnemotechnik, die altägyptische und altgriechische Wurzeln hat. Mnemotechniken dienen der Verbesserung des Speicherns und Behaltens von Informationen im Langzeitgedächtnis. Sie arbeiten mit Merkhilfen, beispielsweise Merksätze, Reime, Schemata oder Grafiken. Doch mega memory® kann mehr. Staub kombiniert Logik und Gefühle und beschränkt sich nicht darauf, eine Lernaufgabe durch eine andere zu ersetzen, mit der man wiederum die erste im Gedächtnis behalten kann. Er ist auch kein Dampfplauderer, der schnelle, mühelose Erfolge verspricht. „Aus nichts kommt nichts“, sagt der Lernphilosoph, wie Staub in den Medien regelmäßig tituliert wird, worüber er sich freut. „Das Wort wurde quasi für mich kreiert und steht nicht für ein stures Auswendiglernen von Inhalten, sondern für die Philosophie eines Lernens mit Freude.“

Um mit Freude an der Sache und erfolgreich lernen zu können, bedarf es zweier oder dreier Grundvoraussetzungen: „Es muss eine innere Motivation da sein, etwas zu erlernen – weil es mich interessiert, weil ich es muss, weil es mich beruflich weiterbringt. Ich muss mir sicher sein, dass ich das Ziel, neue Lerninhalte in meinem Gedächtnis abzuspeichern, erreichen kann. Und ich brauche vor Fehlern keine Angst haben, denn es gibt bei meiner Methode fünf Durchläufe. Schaffe ich es im ersten, freue ich mich. Schaffe ich es nicht, freue ich mich auch, denn ich habe ja einen Fehler gefunden und kann ihn korrigieren. Es gibt also nur zwei Optionen: Ich freue mich oder ich freue mich!“
Lernen geschieht in Gelassenheit und mit Humor. Wenn Staub präsent ist, dann ist der Witz nicht weit. „Es wird in meinen Seminaren und Vorträgen viel gelacht“, sagt er selbst und schmunzelt, „und das ist gut so.“ Schnell und einfach sollen sich Dinge gemerkt werden. Doch anstatt diese auf einen Spickzettel zu schreiben, soll ein Spickzettel im Kopf angelegt werden. Unterteilt werden die Materien in vier Gruppen: Lernstoff lernen (z. B. für Schüler und Studenten), Namen lernen (bspw. für Lehrer), Sprachen lernen, Zahlen merken.
„Wahrscheinlich denken auch Sie, dass Sie nicht imstande sind, sich innerhalb von zehn Minuten eine zehnstellige Zahl zu merken. Okay, wenn es alles Siebener sind, dann geht’s. Aber Spaß beiseite, ich zeige Ihnen ganz praktisch, wie es funktioniert. Sie assoziieren mit jeder Zahl ein Bild. Der Baum steht für die 01, weil er gerade dasteht. Und 01 benötigen wir, damit wir die Zahlen von Beginn an doppelstellig haben. Eine Lampe steht für 02, ein dreibeiniger Hocker für 03, ein Auto für 04, eine Hand für 05.“
„Lassen Sie uns das wiederholen, in Fünferschritten lernt es sich leichter als in Zehnerschritten, und gleichzeitig stellt sich ein erstes Erfolgserlebnis ein. Also: Baum, Lampe, Hocker, Auto, Hand.“
„Und weiter geht’s. Ein Würfel steht für 06, die sieben Zwerge für 07, die Achterbahn für 08, die Katze mit ihrem geschwungenen Schwanz für 09, die Bibel mit ihren zehn Geboten für 10, Fußball (elf Spieler, Elfmeter) für 11, der Geist zur Mitternachtsstunde für 12, der Fahrstuhl für 13, weil der 13. Stock in vielen Hotels fehlt.“
„Wenn Sie sich zehn Minuten damit beschäftigen, dann haben Sie diese Bilder-Zahlen-Kombinationen im Kurzzeitgedächtnis abgespeichert. Wenn Sie zwei, drei Wochen lang üben, insgesamt vier, fünf Stunden, dann geht das Gelernte in das Langzeitgedächtnis über.“

3,Baum/Auto/Baum/Hand/Katze/Lampe/Würfel/Hand/Hocker/Hand/Katze

In Staubs Systematik wird jede Zahl bis hundert mit einem Bild assoziiert. 1961 wurde John F. Kennedy US-amerikanischer Präsident, und das Bild der „61“ ist ein Sandkasten. Gut und schön, aber wie merke ich mir überhaupt, wer vor und nach Kennedy im Weißen Haus residierte?
Die Lernaufgabe, die Staub präsentiert, lautet: Wer waren die zehn Präsidenten der USA vor dem aktuellen Amtsinhaber Barack Obama?
„Nehmen wir unseren Körper her. Wir tragen Schuhe, einige haben Eisensohlen – ah, Eisenhower. Auf unserem Knie sitzt eine fremde Person und wir fragen: Kenn i di? und sind bei Kennedy. Wir wandern weiter hinauf, finden in der Hosentasche am Oberschenkel eine CD von John Lennon, denken an seinen Sohn – Johnson. Wir spüren, dass wir mit dem Gesäß am Meer im Wasser sitzen, aus dem Nixen entsteigen – Nixon. An der Taille ist unser Gürtel fort – Ford. Dafür sitzt eine männliche Katze auf unserer Brust, ein Kater – Carter. Auf unsere Schultern tröpfelt Regen – richtig, Reagan. Am Kehlkopf haben wir einen alten Busch Haare – Bush sen. Wenn wir pfeifen, ergibt dies einen Ton, einen Clinton. Und am Kopf haben wir auch einen Busch Haare – Bush jun.“ Und als Kenn i di Präsident wurde, spielte er im Sandkasten. Kennedy, anno 61.

Selbstverständlich weiß Staub, dass es unzählige Arten von Eselsbrücken gibt, doch sehr viele davon eignen sich nicht zu einem allgemeingültigen Gebrauch. „Wenn ich Paris mit dem Eiffelturm assoziiere, dann ist dieses Bild in Europa gang und gäbe. Aber komme ich damit auch im südamerikanischen Amazonas ans Ziel?“ So verlässt sich der Schweizer viel lieber auf Techniken, die tausende Jahre alt sind. Cicero (107–43 v.Chr., römischer Politiker und Redner) hat Eselsbrücken mit Räumen und den darin enthaltenen Gegenständen gebaut, waren diese nun real oder imaginär. Bei dieser so genannten Loci-Technik wird für jeden Begriff ein eigener Platz reserviert, quasi Variablen geschaffen, die mit verschiedenen Inhalten belegt werden können. Diese Variablen liegen in einer übergeordneten, fixen Struktur, sodass es möglich wird, bei der Wiedergabe die genaue Reihenfolge einzuhalten. Die fixe Struktur, von der vorher die Rede war, kann ein wohlbekannter Weg sein, aber eben auch ein Raum.
Angeblicher Erfinder der Loci-Technik ist Simonides von Keos. Er lebte um 500 v. Chr. und war ein bekannter Poet und Redner. Der Sage nach ist Simonides auf die Idee für die Loci-Methode gekommen, als er bei einer Feier des Skopas dessen Haus kurzzeitig verließ und dieses während seiner Abwesenheit einstürzte. Niemand überlebte, eine Zuordnung der zermalmten Körper war äußerlich nicht mehr möglich. Simonides musste, als einziger Überlebender, die unkenntlich Gemachten identifizieren. Dabei visualisierte er die Szenerie vor dem Einsturz, um sich den jeweiligen Aufenthaltsort der Personen zu vergegenwärtigen und erkannte an seinem Erfolg, dass es dem Mensch leicht fällt, in eine räumliche Verknüpfung eingefügte Informationen geordnet wiederzugeben.

Eine der beiden Töchter Staubs hat an drei der prominentesten Universitäten in den USA, England und Frankreich studiert, die andere hat fünf Sprachen gelernt – zuletzt Chinesisch, in drei Monaten. „In der Regel lernen Schüler und Studenten zwischen, sagen wir, 20 und 40 Vokabel pro Nachmittag so gut, dass sie diese am nächsten Tag auch noch können. Mit meiner Methode kommt man auf 150 Wörter pro Nachmittag.“ Klar also, dass Staub gefragter Gastredner in Schulen ist „Ich lasse die Schüler erleben, wie es geht. Der Spaß während des Vortrags und der Aha-Effekt sind garantiert.“

Es ist das Lebenswerk des Gregor Staub, Wissen weiterzugeben, welches dazu befähigt, sich schneller und besser neues Wissen anzueignen.

„Ich habe eine Vision: Am 3. Juni 2044, am Tag meines 90. Geburtstags, stehe ich vor Studenten der Züricher Universität, die johlen und pfeifen, weil es der Alte immer noch draufhat. Und am gleichen Tag in den Medien steht, dass meine Methode gelehrt werden müsse wie Rechnen, Schreiben und Lesen. Weil es ohne sie nicht geht!“
Ohne den Pacojet geht auch nichts in den Spitzenküchen unserer Welt. Der Mann, der das Patent damals kaufte und diesem Gerät Weltruhm bescherte, war Gregor Staub. Aber das ist eine andere Geschichte.

Gregor Staub
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Zur Person

Gregor Staub studierte an der höheren Wirtschaftsschule (HVW) in Olten und schloss das Studium als Betriebsökonom ab. In den darauffolgenden Jahren war er bei verschiedenen Firmen (IBM, HP, Data general) im Verkauf bzw. kam er mit dem Pacojet in Berührung und war einer von drei Investoren, die das Küchengerät lancierten. Als Staub erkannte, dass ein Markt für Gedächtnistraining existierte, gründete er mega memory® und vermittelt seit 1990 in seinen Seminaren Methoden und Techniken, um sich Dinge schnell und einfach zu merken . Basis seiner Arbeit ist die bereits seit der Antike praktizierte Mnemotechnik. Staub ist verheiratet und hat zwei Töchter.

Autor: Egon Theiner