© Wolfgang Fasching

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Lernen und Üben

Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir, heißt ein altbekannter Satz, den ich modifizieren möchte: Nicht nur in der Schule, sondern hauptsächlich im Leben lernen wir. 

So sehr Volks- und Hauptschulen und Universitäten unseren Wissenshintergrund erweitern, so sehr ist Lernen ein permanenter Prozess. Lernen ist per se für den Menschen wichtig, es beginnt an seinem ersten Tag und endet im Idealfall an seinem letzten. Denn es gibt kein Alter, in dem man nicht eine neue Tätigkeit beginnen und den eigenen Horizont erweitern könnte. „Dafür bin ich zu alt, das sollen andere machen“ – das ist, mit Verlaub, eine Ausrede, um die eigene Komfortzone nicht verlassen zu müssen. Lernen heißt Weiterentwicklung der Persönlichkeit, steht für Interesse an Neuem und Offenheit für Unbekanntes.
Lernen wird leichter, je öfter man es tut. Ich war 39 Jahre alt, als ich einen Universitätslehrgang zum akademischen Mentalcoach und Lebensberater begann, und auch ich musste mich in das schulische Lernen wieder hineinarbeiten. Aber Lernen kann, nein, soll zu einer Gewohnheit werden, und es fällt (logischerweise) leichter, wenn man sich mit Dingen beschäftigt, die einen selbst auch ansprechen.

Lernvorgänge geschehen, von meiner Warte aus, hauptsächlich in drei Schritten.

Es gibt das Lernen durch eigene Erfahrungen. In diese Kategorie fällt selbstverständlich auch das schulische Lernen, also Wissen, das wir uns auf theoretischer Basis aneignen und  weiterentwickeln. Als ich als Alpinist die „Seven Summits“, die höchsten Gipfel der sieben Kontinente – Afrika, Antarktis, Asien, Europa, Ozeanien, Nord- und Südamerika – bestieg, bereitete ich mich auf jede Expedition akribisch vor und bildete mich auf Buch- und Internetseiten weiter. Noch ehe ich aufgebrochen war, wusste ich schon sehr viel über die verschiedenen Massive, ihre Historie und Erstbesteiger und Routen. Das theoretische Wissen konnte die Praxis unterstützen, nicht aber ersetzen. 

Lernen aus der Erfahrung anderer macht unter gewissen Voraussetzungen das Leben einfacher und bringt allemal die Gesellschaft als solche voran. Stellen Sie sich vor, jede Generation müsste von Grund auf erlernen und erleben, was die Vorfahren erlernt haben. Wir befänden uns immer noch in der Steinzeit. Die Erfahrungen anderer sind allerdings nur unter zwei Prämissen tatsächlich relevant. Wer Informationen weitergibt, muss ehrlich sein und darf nicht listig denken: „Alles sage ich meinen Sportfreunden/meinen Kollegen im Büro aber nicht, sie könnten ja besser werden als ich oder schneller Karriere machen. Sie werden ohnehin von alleine draufkommen.“ Als ich als Greenhorn zum Race Across America kam und mich mit anderen unterhielt, die dieses Nonstop-Rennen schon drei-, vier- oder fünfmal gefahren waren, sog ich alle Informationen aus ihnen heraus und hinterfragte nicht, ob sie mich in eine Falle laufen lassen wollten. 

Durch Schaden wird man klug, sagt der Volksmund. Stimmt –  sehr nachhaltig ist das Lernen durch Schmerz.

Bei einer Race Across America-Konkurrenz hatte ich mir mein Gesäß bereits nach fünf- oder sechshundert Kilometern wundgerieben, doch ich war nicht bereit, meinen Arzt oder das Team darüber zu informieren. Ich dachte für andere mit und sagte mir: „Wenn ich mein Problem kommuniziere, dann wird man sich denken, dass ich es nie und nimmer bis ins noch einige tausend Kilometer entfernte Ziel schaffe.“ Nach 1200 Kilometern war an ein Sitzen auf dem Rad allerdings nicht mehr zu denken und ich musste mit der Wahrheit rausrücken. „Warum hast du nicht schon früher was gesagt?“, erhielt ich von meinem betreuenden Arzt zur Antwort. Wie wahr. Zuweilen ist es notwendig, Schwächen einzugestehen und um Hilfe zu bitten – auch wenn ich der Kapitän des Teams oder der Geschäftsführer in einem Unternehmen bin. Mag die Frage, „Wie geht das jetzt?“, vorübergehend an meinem Ego kratzen und mir Schmerz bereiten, sie ist dennoch besser, als die notwendige Kurskorrektur zu vereiteln, nach dem Motto: Es wird schon wieder werden und es wird schon keiner merken, was gerade falsch läuft. Nach dem Lernen kommt das Weiterlernen – und das Üben. Es sind dies Lieblingswörter von mir: trainieren, proben, wiederholen, Dinge oft machen.

Deswegen: üben, üben, üben! Man wird sich verbessern, man kann das gar nicht verhindern!

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Autor: von Wolfgang Fasching