Teaser Johannes Gutmann
Header Johannes Gutmann, Geschäftsfüherer der Firma Sonnentor

© Sonnentor | www.sonnentor.com

Der authentische ÖKO Rebell im Waldviertel

Sprögnitz im Waldviertel. Einsamkeit, Trostlosigkeit, weite Felder und Wiesen. Hier und da verstreute Bauernhöfe und der über die Grenzen bekannte Unternehmer Johannes Gutmann mit seiner Firma SONNENTOR.

Mich würden zu Beginn die Anfangsjahre interessieren. Mit welchen Problemen, Hürden und Grenzen hatten Sie am Beginn zu kämpfen? 

Wenn Sie an irgendetwas Neues denken, gibt es auf der Stelle 100 Leute, die alles sofort besser wissen. Das kann ja alles nichts sein, weil sonst hätten es ja schon die anderen gemacht. Neue Ideen werden naturgemäß kritisch betrachtet und von vornherein schon mal negativ bewertet. Ich stehe wo und sehe etwas, das der andere nicht sieht, und wenn er es nicht sieht, dann kann und darf es das auch nicht geben. Es hatte bei mir immer mit Visionen, Ideen und Sehnsüchten zu tun, die ich am Anfang hatte. Ich bin als jüngster von fünf Söhnen auf einem Bauernhof groß geworden und habe mich auch schon immer dafür interessiert.  Ich hab gesehen, dass wir etwas produzierten, was keiner brauchte, kippten das zum Schluss auf einen Haufen und dazu musste vom Staat ordentlich subventioniert werden, damit wir unsere Produkte überhaupt auf fremde Volkswirtschaften verteilen konnten. 

Also – Überproduktion in allen Bereichen der Landwirtschaft. Gleichzeitig habe ich festgestellt, dass die sogenannten Standesvertreter keine anderen Ideen hatten, als mehr vom Gleichen zu tun. Wenn man landwirtschaftlich in eingefahrenen Strukturen dachte und einen Stall bauen wollte, war das alles kein Problem und wurde auch gefördert. Als ich aber anfing in Alternativen zu denken und Innovationen auf den Markt bringen wollte, bin ich ausgelacht worden. Braucht ja keiner - war der Tenor!

Wie waren die politischen Bedingungen und das Umfeld zu Beginn des Unternehmens?

Politisch war ich natürlich nicht einzuordnen. Am ehesten wurde ich noch als grüner Spinner angesehen. Mein erster Firmenstandort war in Ottenschlag – um ehrlich zu sein, muss ich gestehen, dass mich dort niemand ernst genommen hat. Der zweite Firmensitz war dann in Zwettl (NÖ). Dort habe ich ein kleines Häuschen gekauft und Familie gegründet. Das war für mich der Beginn der Erfüllung. Ich habe gemerkt, ich bin frei. Bin am Wochenende auf meine Bauernmärkte gefahren und hab in den Gesprächen mit den Menschen erfahren, wonach sie suchen, was sie brauchen und auch kaufen würden. Ich habe meinen Erfolg eigentlich immer auf direkte Marktforschung aufgebaut – die Leute befragt und mit ihnen ihre Wünsche erörtert. Das funktioniert heute noch genauso. 

In Zwettl habe ich dann schnell gesehen, dass in diesem Schwarzen Meer, mit 72 Prozent ÖVP-Anteil, kein Platz für neue Ideen ist. Wenn ich von der Gemeinde irgendetwas gebraucht habe, bin ich als „grüner Spinner“ natürlich gegen Wände gelaufen.

Man darf nicht ungeduldig sein, man muss demütig bleiben und nicht gierig sein, dann wird sich der Erfolg einstellen  Johannes Gutmann

1989 hab ich dann noch dazu den Fehler gemacht, mich in Zwettl bei einer Bürgerliste zu engagieren, die auf Anhieb fünf Mandate hatte. Da gab es Tränen bei der ÖVP und ich war der offiziell erklärte Feind. Die Folge war eine Klage nach der anderen: Lärmbelästigung, Besitzstörung, Geruchsbelästigung, Gewerbeaufsichtsbeschwerde usw. ... Geholfen hat mir damals keiner, weder die Wirtschaftskammer noch sonst irgendwer. Nichts wie weg, hab ich mir gedacht und habe gewusst, hier kann ich nicht bleiben.

Geschäftsmann johannes Gutmann
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Wie ging es dann weiter? Was waren die nächsten Schritte?

Ich muss dazu noch etwas Grundsätzliches sagen, dass das nämlich sehr viel mit mentaler Stärke zu tun hat. Wenn Sie sich geistig und mental auf ein Ziel zubewegen, dann werden Sie es auch erreichen. Man darf nicht ungeduldig sein, man muss demütig bleiben und nicht gierig sein, dann wird sich der Erfolg einstellen.

 

Durch Zufall habe ich – wobei ich der Meinung bin, dass es keine Zufälle gibt, weil man die Dinge unterbewusst herbeisehnt – von einem alten Freund erfahren, dass es einen Bauernhof gibt, den ich kaufen könnte. Als ich das erste Mal hier in Sprögnitz diese alten Gemäuer betreten habe, wusste ich, dass das hier meine Zukunft wird.

Was wollten Sie vom Leben und der Arbeit?

Ich hab gewusst, ich will mit mir selbst gut umgehen. Ich will mit und bei meiner Arbeit Freude empfinden. Ich bin rausgeworfen worden aus meiner damaligen unselbstständigen Tätigkeit und habe gewusst, ich muss etwas Eigenes machen.

Johannes Gutmann
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Wo sehen Sie die Verbindung zwischen Wirtschaft und mentaler Stärke?

Es geht in erster Linie um mentale Kraft und wozu der Mensch fähig ist. Wozu ist er fähig, wenn er mit seiner Kraft aushält, und wie gelingt es ihm, andere zu  motivieren. 

 

Du musst aus Nichts etwas machen können, weil mit einer vollen Hose ist leicht stinken!

Wirtschaft heißt ja nicht „alleine spinnen“, sondern mit anderen in Kooperationen langfristig zusammenzuarbeiten – nicht im Sinne von Gier, sondern eines partnerschaftlichen Verhältnisses. Irgendwas kann jeder dazu beitragen, dass es uns miteinander gut geht. Hier sehe ich die grundsätzliche Verbindung zwischen Wirtschaft und mentaler Stärke. Wir sind eigentlich der „Ironman“ aus dem Waldviertel und ich bin mit nichts gestartet. Wir brauchen uns mittlerweile auch international vor niemandem fürchten. Hier im Waldviertel sind wir sehr gut aufgestellt.

Woher kamen das Selbstvertrauen und das Bewusstsein, sich am richtigen Weg zu befinden?

Ich war immer „goschad“. Ich war der Kleinste von fünf Kindern. In der Schule war ich sicher nicht der Beste, aber als Schülervertreter nicht unerfolgreich. Ich habe gewusst, dass ich den Mund aufmachen muss, sonst mach ich die Geldbörse auf. Rede mit den Leuten und vor allem: Sei gut vorbereitet. Wenn Sie irgendetwas verkaufen wollen, von dem Sie keine Ahnung haben, müssen Sie sich wärmer anziehen. Im Prinzip habe ich einen alten amerikanischen Spruch befolgt, der da sagt: „The story you tell, the product you sell!“ Es ist also sehr wichtig, Produkte mit mit einer Geschichte zu verbinden und somit ein schon vorhandenes Produkt neu zu verkaufen. Das war ein Traum für mich!

Was motiviert Ihre Mitarbeiter, hier in die Umgebung zu ziehen und sich hier zu bewerben?

Diejenigen, die hierher ziehen, wollen im Prinzip einfach teilhaben, so wie wir begonnen haben. Die Hauptmotivation sich bei uns zu bewerben heißt: Betriebsstimmung. Ein Klima nicht aus Druck heraus zu agieren, sondern aus der Freude heraus zu arbeiten. Wir haben keinen Akkord, keine Betriebsbeteiligung, kein Prämiensystem – Geld ruiniert die Welt. Ich habe zwar Geld, gebe es aber immer wieder aus und bin jedes Mal aufs Neue überrascht, dass ich immer wieder mehr zurück bekomme, als ich ausgebe. (lacht)

Eine kleine Auswahl der Produktpalette – © Sonnentor | www.sonnentor.com
Eine kleine Auswahl der Produktpalette – © Sonnentor | www.sonnentor.com

Welche Lebenseinstellung und innere Haltung prägt Ihren Weg und den Weg von SONNENTOR?

Unser Weg ist ganz stark geprägt von den altbäuerlichen Weisheiten. Du musst aus Nichts etwas machen können, weil mit einer vollen Hose ist leicht stinken! Ich hab von meinen Eltern viele dieser alten Grundwerte mitbekommen. Demütig sein, Schritt für Schritt gehen und immer das Ziel im Auge behalten. 

Wer den fünften Schritt nach dem zweiten denkt und macht, wird auf die Nase fallen und braucht sich dann aber auch nicht wundern. Ganz wichtig ist für uns auch die Selbstreflexion! Was war gut und was war falsch? Wo sollen wir Gas geben und wo müssen wir bremsen? Viele Menschen haben das verlernt, weil sie sich in ihrer Größe und ihrem vermeintlichen Allwissen, keinen Fehler mehr eingestehen können. Investiere, was du in der Tasche hast! Investiere nicht in die grünen Äpfel, die am Baum hängen. Mein Ziel war es Mitarbeiter zu finden, denen ich ein ganz großes Vertrauenspensum entgegenbringen und Verantwortung übertragen konnte. 

Welche Pläne gibt es für die Zukunft?

Eigenes Biowirtshaus, eigener Seminarbereich, eigene Kinderbetreuung – diese Dinge entstehen aus dem Cashflow heraus und geben uns die Möglichkeit auch andere Bereiche zu erschließen. 

Bei uns waren im letzten Jahr knapp 40.000 Besucher, wo vorher kein Mensch hingekommen ist. Das sorgt für neue Arbeitsplätze in der Region. Wir können hier unsere Visionen ausleben und haben immer wieder neue Ideen. Wir werden 2014 hier in Sprögnitz bis Jahresende knapp 250 Arbeitsplätze haben und damit ein Großbetrieb sein. Ich freue mich darüber, dass wir langfristig Arbeitsplätze in der Region schaffen und immer mehr Leute gemeinsam mit uns diesen Weg gehen.

Ist die Rolle des Verrückten und des Freaks, die Sie gerne annehmen, auch in gewisser Weise ein ironischer Zugang der Gesellschaft gegenüber?

Natürlich! (lacht) Dem Ganzen einen Spiegel vorzuhalten ist selbstverständlich Teil des Spiels – nicht mit Krampf anders sein oder auffallen wollen. Ich bin so, wie ich bin, und hab mich über eine Schlagzeile vor einiger Zeit sehr gefreut, die da hieß: „Manchmal schrullig, immer authentisch!“ (lacht)

Was bedeutet materieller Erfolg für Sie?

Gar nichts! Das letzte Hemd hat keine Taschen, also was soll ich mitnehmen? Da geb ich doch lieber ein paar gute Taten in die Taschen und denke mir: Danke! Ich durfte dabei sein und habe eine Spur hinterlassen!

Woher kommen aus Ihrer Sicht positives Charisma und positive Ausstrahlung?

Was nicht in Ihnen drinnen ist, können Sie auch nicht ausstrahlen. Bei mir liegt es, denke ich, in erster Linie im Bauch und im Herzen. Der Kopf hat mich schon zu oft betrogen. Meine Entscheidungen sind vom Bauch und vom Herzen getrieben. Visionen kommen aus dem Herzen und aus dem, was man fühlt und auch zulässt. Im Tun liegt für mich der Sinn! 

Welche Philosophie verfolgen Sie Ihren Mitarbeitern gegenüber?

Leben und leben lassen! Ich sage ihnen immer wieder: Ihr arbeitet nicht für mich. Wir helfen zusammen und gemeinsam sind wir unschlagbar. 

Autor: Andreas Prammer