Martin Krengel Persönlichkeitsturbo mit Arschtritt
Auf der ganzen Welt zu Hause

Foto: Martin Krengel

Persönlichkeitsturbo mit Arschtritt

Zeitmanagement- und Lernexperte Dr. Martin Krengel schrieb ein Buch, das weit mehr als ein Reiseführer oder eine Anleitung zum Aussteigen ist. Es ist ein Buch, das vermittelt, wie wichtig die kontinuierliche Erweiterung des eigenen Horizonts ist.

„Stoppt die Welt, ich will aussteigen!“ heißt das neue Werk von Martin Krengel. Der Titel ruft eventuell Assoziationen zu Hape Kerkelings „Ich bin dann mal weg“ hervor, in dem es um Reisen und Ausstiegsambitionen aus dem Hamsterrad geht. Das kennen wir schon. Doch der Untertitel von Krengels Buch überrascht: „Kuriose Abenteuer einer Weltreise (Arschtritt inklusive)“. Wie bitte?! Was meint der Autor damit? Viele von uns fühlen sich von Gesellschaft und Technologie vor sich hergetrieben, sind Sklaven von Internet und Mobiltelefonie, leiden unter der „fear of missing out“ – so wird die Angst bezeichnet, etwas von den unzähligen Angeboten zu versäumen, die an jeden Einzelnen über verschiedene Kommunikationskanäle herangetragen werden. Ja, viele von uns würden gerne aussteigen und einfach auf Weltreise gehen. Das ist aber leider nicht so einfach, denn berufl iche und familiäre Verpfl ichtungen, fi nanzielle und psychologische Hürden lassen die meisten Träume – nicht nur jene einer mehrmonatigen Reise – Träume bleiben. Mit dem Buch „Ich bin dann mal weg“, das seinen Pilgerweg nach Santiago de Compostela thematisiert, traf Kerkeling einen Nerv der Gesellschaft. Einfach mal abtauchen, abhauen, weg sein.

An eben BUCHVORSTELLUNG BUCHTIPP Ein Kunstturner, auf der ganzen Welt zu Hause 55 diesen Nerv wendet sich auch „Stoppt die Welt, ich will aussteigen!“, und unter gewissen Aspekten sind die Intentionen der Autoren Kerkeling und Krengel vergleichbar. Beiden geht es um Lernerfahrungen, um ein Sich-besser-Kennenlernen, um eine Weiterentwicklung durch das Stoppen der Zeit und das Verlassen des bekannten Raums, physisch wie psychisch. Krengel ist kein Unbekannter unter Referenten und Buchautoren. Seine besonderen Werke, die sich mit Lernen, Zeitmanagement und Stressbewältigung beschäftigen, verkaufen sich zehntausendfach. So ist es auch klar, dass der Ostberliner nicht einen reich bebilderten, aber banalen, Schmöker von 352 Seiten vorlegt, in dem er chronologisch jedes Land abarbeitet: Ich war da und da und da, und das sind die Fotos dazu. Viel mehr erzählt er in Wort und Bild von seinen Erlebnissen und verdeutlicht dadurch, welche Lernschritte er in jedem Land vollzogen hat: Erweiterung der Komfortzone in der Mongolei beispielsweise, Umgehen mit Kulturschock in China, Loslassen-Können in Thailand. Somit kann sich das Buch für den interessierten, nachdenklichen Leser zu einer persönlichen Gebrauchsanweisung für ähnliche Situationen entwickeln.

Weit weg bist du oft verdammt nah an dir selbst. - Martin Krengel
Foto: Martin Krengel

Notting Hill

Die Idee zu einer Weltreise trug Martin Krengel schon seit Jahren mit sich herum. Während seiner Zeit als Praktikant in der Marketingabteilung bei T-Mobile International in London lebte er nahe jenem kleinen Buchladen in Notting Hill, der durch Julia Roberts und Hugh Grant filmische Berühmtheit erlangt hatte. Dort vergrub er sich in seiner Freizeit, und während Touristen an London-Führern interessiert waren, las er einen Reisebericht aus fernen Ländern nach dem anderen. Ein Arbeitskollege war bereits auf Weltreise gewesen, und Krengel sagte sich: Das will ich auch machen. Gesagt und noch lange nicht getan. Der Erfahrungshorizont war begrenzt, eine Reise rund um den Globus lag außerhalb der Denkzonen. 

Weit weg bist du oft verdammt nah an dir selbst.

Als hätte ich eine Stopp-Taste gedrückt, und als wäre das Leben auf einem anderen Kanal weitergelaufen. Es fühlt sich an, als hätte ich an 20 verschiedenen Orten dieser Welt gelebt. Zuvor dachte ich, mit meinen damals 33 Jahren, eine erfolgreiche, ausgewogene Persönlichkeit zu sein – aber diese Reise belehrte mich eines Besseren. Ich fand Aspekte an meiner Persönlichkeit, die ich nicht für möglich gehalten hätte. Meine eigenen Ecken und Kanten wurden mir klarer. Dieses Jahr war ganz einfach genial.“ Das Buch ist somit eine Ode an das Reisen. Es zeigt: Reisen bewegt – Beine UND Kopf. Es reflektiert den Geschwindigkeitswahn und das Wirrwarr unserer hektischen Zuviel Gesellschaft und führt auf, wie wenig wir für unser Glück brauchen. Es zeigt aber auch, wie schwer es sein kann, seine Träume zu leben und dass vieles dennoch dafür spricht, es inspiriert und motiviert zu tun. Prädikat: Unbedingt lesenswert!

Doch der Berliner interessierte sich mehr und mehr für ausländische Kulturen und Länder, verbesserte seine Fremdsprachenkenntnisse und wurde somit seiner eigenen Lebensphilosophie gerecht, die da lautet: „Es gibt keinen Masterplan, sondern Wünsche und Träume. Ich versuche, mich in deren Richtung zu entwickeln und auf den Weg zu machen. Und dann schaue ich, was passiert.“ Sein bei Eazybookz erschienenes Werk kann als Vermittler der Botschaft „Träume deine Träume!“ herhalten, als Aufforderung, das zu tun, was anfänglich vielleicht unmöglich scheint. „Mach den ersten Schritt, dann den zweiten, dann den dritten. Irgendwann wirst du denken: Wie konnte ich eigentlich so lange daran zweifeln, dass es möglich ist?“ Krengel ist diese Weltreise auf eine Weise angegangen, wie es wohl wenige andere tun würden. Mit dem Einfrieren des Lebens in Deutschland. Mit der Anstellung eines Freundes, der sein Business am Laufen hielt. Ohne gesetzte Ziele. Ohne Checklisten. Mit einem am Montag gebuchten Ticket – Abflug am Donnerstag. Takeoff im November 2013. „Eigentlich wollte ich fünf, sechs Monate unterwegs sein. Doch dann habe ich gemerkt, dass ich auch von unterwegs arbeiten und jene Aktivitäten, die nicht meine physische Präsenz in Deutschland erfordern, fortführen kann. Das heißt: Ich verdiente auch weiterhin Geld, als digitaler Nomade quasi. Und das hieß für mich auch, länger auf Reisen zu bleiben.“ Und zwar genau ein Jahr, bis zum Touchdown im November 2014. 

Reisen ist die beste Selbstmanagement-Methode, die es gibt!

Reisen ist die beste Selbstmanagement-Methode - Martin Krengel
Foto: Martin Krengel

Berlin war grau und nebelverhangen wie im Jahr zuvor. Nichts hatte sich verändert. Krengel hat keine Einbußen in seinem Business hinnehmen müssen (im Gegenteil), hat keine Klienten verloren, hat hingegen seinen Blick geschärft für das, was er wirklich machen, und für das, was er bleiben lassen will. „Nur die auslaufenden Reiseversicherungen haben mich zurückgetrieben – und die Pflicht, die Steuererklärung abzugeben.“ „Auf Fidschi war es am entspanntesten, auf Tahiti am schönsten, in Südamerika am aufregendsten“, fasst Krengel zusammen, „doch die Welt ist multidimensional, es gibt keinen einzigen Ort, der in allen Kategorien alles bietet. Die abwegigsten, kuriosesten, am wenigsten touristisch erschlossenen Plätze sind die spannendsten.“ Und er räumt mit einem Mythos auf – mit jenem des Paradieses auf Tonga. Es hat die Erwartungen nicht erfüllt, „ist ein Kaff mit 300 Inseln. Übernachtungen sind megateuer und meine Begegnungen mit den Einwohnern verliefen alles andere als freundlich. Aber jedes Land, ob ich dort gute oder schlechte Erfahrungen gemacht habe, trug zu meiner Persönlichkeitsentwicklung, zu meinen Lernerfahrungen bei.“ Seine Reise war somit ein Auf und Ab zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Der Selbstmanagement- Experte kam damit gut zurecht. Die Mission dieses Buches ist es nun, Lernchancen abzubilden und aufzuzeigen, wie diese Chancen mit Humor genommen werden können. Krengel: „Es ist kein Reiseführer – das allein wäre zu flach. Sehenswürdigkeiten sind nett, aber spannender sind Erlebnisse, Erkundungen, Emotionen. Das ist der wahre Mehrwert einer Reise. Und es sind nicht die üblichen Touristenfotos.“ „Stoppt die Welt, ich will aussteigen!“ ist eine wunderbare Anleitung für lernwillige Angestellte, Freiberufler, Manager, für jeden von uns – für jeden, der loslassen möchte, von seinen Ansprüchen, seiner Arbeit, seinen Zielen, seinen Aufgaben, seinen Mitmenschen. Und der neue Ansprüche, Arbeiten, Ziele, Aufgaben, Mitmenschen finden möchte. Krengels Fazit: „Es ist, als hätte ich innerhalb eines Jahres ein ganzes Leben durchlebt.

Martin Krengel
Foto: Martin Krengel

Autor: Egon Theiner